Flyer Teil I
Flyer Teil II

 

Mütterliche Autonomie während der Geburt

Zusammenfassung

In der Schweiz erleben jährlich mehr als 165.000 Mütter und Väter die Geburt ihres Kindes. Diese Eltern wünschen sich eine normale und gute Geburt. Allerdings berichteten in den letzten Jahren mehr und mehr Frauen öffentlich von negativen Geburtserfahrungen, z.B. Demütigungen, Gewalt, Zwang, oder Manipulation. Tatsächlich zeigt auch die Forschung, dass die Autonomie der Frauen während der Geburt häufig nicht hinreichend respektiert wird. Darum muss die Entscheidungsfindung unter der Geburt verbessert werden. Eine verbesserte Entscheidungsfindung diente nicht nur der Förderung der Autonomie der Frau, sondern auch dem Schutz ihrer körperlichen Integrität und der Vorbeugung negativer Folgen für ihr psychisches Wohlbefinden.

Angesichts einer weit verbreiteten Autonomie einschränkenden Entscheidungsfindung unter der Geburt besteht ein dringender Bedarf, die Einstellungen von Schweizer Frauen und Schweizer geburtshilflichem Personal zur Entscheidungsfindung unter der Geburt zu untersuchen. Darüber hinaus wird empfohlen, dass Frauen eine Wahl zwischen verschiedenen Geburts-Settings (z.B. Spital, Geburtshaus, Hausgeburt) haben. Die Ziele unserer Studie sind deshalb: (a) ein besseres Verständnis der Einstellungen von Schweizer Frauen und Schweizer geburtshilflichem Personal zur Entscheidungsfindung unter der Geburt, (b) eine Analyse der Erreichbarkeiten verschiedener Geburts-Settings für Schweizer Frauen im gebärfähigen Alter. Dazu werden Einzelinterviews mit Frauen und geburtshilflichem Personal, Fragebogen-Erhebungen sowie eine räumliche Erreichbarkeitsanalyse durchgeführt. Demgemäss möchten wir vier Forschungs-Leitfragen beantworten:

(1)    Wie sehen Einstellungen, Motive, Erwartungen und Erfahrungen von Frauen mit Blick auf die Entscheidungsfindung unter der Geburt und mütterliche Autonomie aus?

(2)    Wie sehen Einstellungen, Motive, Erwartungen und Erfahrungen von geburtshilflichem Personal mit Blick auf die Entscheidungsfindung unter der Geburt und mütterliche Autonomie aus?

(3)    Wie viel Wert legen Schweizer Frauen auf ihre Autonomie in der Entscheidungsfindung unter der Geburt, vor und nach der Geburt, und welche anderen Prinzipien sind für sie von besonderer Bedeutung?

(4)    Sind die Erreichbarkeiten verschiedener Geburts-Settings für Frauen im gebärfähigen Alter schweizweit gleich?    

Bedeutung des Projektes

Die Missachtung mütterlicher Autonomie unter der Geburt ist ein tabuisiertes Thema. Die verfügbare Forschung deutet auf eine kausale Beziehung zwischen der Missachtung mütterlicher Autonomie und negativen, teilweise anhaltenden psychologischen Folgen seitens der Mutter hin. Die Einstellungen Schweizer Frauen und Schweizer geburtshilflichem Personals zur Entscheidungsfindung unter der Geburt wurden bisher weder systematisch untersucht noch einer ethischen Analyse unterzogen. Darum nimmt unsere Studie dieses Thema aus diesen zwei Perspektiven in den Blick. Das übergeordnete Ziel ist es, die Entscheidungsfindung unter er Geburt zu verbessern. Unsere Studie ist in vielfacher Hinsicht von immenser Bedeutung.

Erstens, sie ist im Lichte der grossen Zahl von Eltern, die jährlich die Geburt ihres Kindes erleben, von Bedeutung. Eingedenk dessen, dass in der Schweiz jährlich mehr als 165.000 Eltern die Geburt ihres Kindes erleben und diese Erfahrung häufig negative psychologische Folgen hat, ist unsere Studie nicht nur auf individueller, sondern zugleich auf einer Public-Health Ebene bedeutsam. Zweitens, aus Anerkennung der Würde eines jeden Menschen leiten sich unmittelbar fundamentale Menschenrechte ab. Für Frauen unter der Geburt bedeutet dies, dass ihre Autonomie respektiert werden muss und sie Zugang zu adäquater intrapartaler Versorgung haben müssen. Drittens, im Jahr 2015 veröffentlichte die SAMW eine medizin-ethische Richtlinie zu Zwangsmassnahmen in der Medizin, mit welcher «ein Bewusstsein dafür geschaffen und aufrechterhalten werden [soll], dass jede Zwangsmassnahme (…) einen gravierenden Eingriff in grundrechtlich verankerte Persönlichkeitsrechte darstellt und daher jeweils einer ethischen Rechtfertigung bedarf.» Unsere Studie teilt diese Überzeugung und möchte einen Beitrag zu dieser Bewusstseinsschaffung leisten, indem sie die Entscheidungsfindung unter der Geburt umfassend erforscht. Viertens, die Ergebnisse unserer Studie werden neue Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung unter der Geburt zu Tage fördern und, schliesslich, dabei helfen, die Geburtserfahrungen Schweizer (und Nicht-Schweizer) Frauen zu verbessern.   


michael.rost@unibas.ch

 

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